Dental-Ladakh ist mit sofortiger Wirkung durch das Amtsgericht Eschwege

 

Registerblatt VR 1767

 

als eingetragener Verein

mit der Berechtigung zur Ausstellung von Spendenbelegen für das FA bestätigt.

 

Spendenkonto:

 

Volksbank/Raiffeisenbank

Werra-Meißner-Kreis

IBAN DE43 5226 0385 0001 1389 52

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dental-Ladakh Tour 2012 ... die gelebte Puja 

 

    Der Reisebericht des dentalen Hilfseinsatzes vom 28.08. – 14.09.2012

                                    in den Bergen des Himalaja  

                     von Dr.Dr.Thomas Reidick und Carsten Gohlke

 

 

Teilnehmer:

 

Dr. Karin Kiel, Zahnärztin,  Hessisch Lichtenau

Dr. Dr. Thomas Reidick, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg, Kassel

Carsten Gohlke, Journalist, Kassel

 

Begleitet wurde das Team durch 2 Amchis (Ärzte der tibetischen Medizin)

 

 

       

  Das Team des Hilfseinsatzes im Ladakh 2012                                                Dr. Karin Kiel, Amchi Norkit, Amchi Namgyal, Dr. Dr. Thomas Reidick

 

Die Planung und Vorbereitung der Tour erfolgte auf deutscher Seite durch den nordhessischen

Verein Dental-Ladakh e.V., auf tibetischer Seite durch die Agentur "Gesar-Travel Leh, Ladakh."

Von der Agentur wurden ein Team mit einem Guide (Norboo), einem Koch mit Helfern, sowie 3 KFZ,

die benötigten Zelte, Verpflegung und ein Generator organisiert.

 

Dienstag 28.08.2012  

 

Start der Tour Dental-Ladakh zur Versorgung der einheimischen Bevölkerung des Ladakh im indischen Himalaja,

insbesondere der Nomaden in der Changtang Region und im Nubra Valley. Natürlich ist auch die Weiterführung

der bereits im Jahr 2010 begonnenen Behandlung von Kindern der Sumdo Montessori School in Sumdo und der

2011 gestarteten Zusammenarbeit mit der Puga Nomadic Residental School, in der mehr als 150 Nomadenkinder

leben und lernen, geplant.

Um 08:30 Uhr geht es vom ICE-Bahnhof Kassel los in Richtung Frankfurt. Dr. Karin Kiel ist bereits mit einem

Kleintransporter vorgefahren, denn die Gepäckmenge von insgesamt 230 Kilogramm macht den Transfer mit

der DB zum Problem. Dank der Unterstützung der Lufthansa, die in diesem Jahr den kostenlosen Transport des gewaltigen Übergepäcks nach New Delhi und zurück übernommen hat, ging das Einchecken zum Flug sehr

schnell und reibungslos über die Bühne.

Selbst beim Security Check diesmal alles entspannt, trotz diverserer Spezialgeräte, wie Bohrköpfe, Dental Unit

und reichhaltiger Kameraausrüstung. Den Flug in der nagelneuen Boeing 747 konnten alle regelrecht genießen.

   

Bei der Landung in Delhi kurz vor Mitternacht dann die erste Aufregung auf dieser Tour. Während Carsten Gohlke

ganz entspannt mit Kamerakoffer und mobiler Behandlungseinheit "Dental Unit" durch die Zollkontrolle spazieren

konnte, wurden Dr. Karin Kiel und Dr. Dr. Thomas Reidick von einer eifrigen Zollbeamten mit den 5 Reisetaschen 

zu einer Sonderkontrolle ausgewählt und das Gepäck akribisch durchsucht. Rund 400 dringend benötigte Sonnenbrillen

für die Kinder im Ladakh und 1500 Zahnbürsten sollten ebenso wie die Medikamente und Behandlungsinstrumente  

als Handelsware verzollt werden. 

Schließlich hat sich dann ein verständnisvoller Vorgesetzter der recht aufgebrachten Zöllnerin überzeugen lassen,

dass es sich wirklich um eine Hilfsaktion handelt und deshalb den Gesamtwert aller "Waren" auf 500 Euro festgelegt. 

Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Beamtin die mobile Behandlungspraxis (Wert ca. 9 Td€) einer

Bewertung unterzogen hätte. Für den Betrag von 500 Euro Warenwert musste dann dennoch Zoll entrichtet werden.  

Hier besteht im nächsten Jahr dringender Bedarf der Klärung im Vorfeld.

Die Zöllner am Flughafen haben dann noch eine ganze Weile sehr lautstark diskutiert, Dr. Karin Kiel und Dr. Thomas Reidick

haben dann lieber ganz schnell den Bereich verlassen und erst hinter mehreren Ecken kräftig durchgeatmet. Schließlich war

beiden bewusst, dass sich auch beim Inlandsflug zwischen Delhi und Leh noch einmal das ganze Procedere wiederholen

kann. Besonders bei Inlandsflügen erlebt man nämlich diverse Überraschungen mit ständig wechselnden Transportregeln.

Mal dürfen keinerlei Batterien im Handgepäck transportiert werden, auch wenn sie sich zum Beispiel im Fotoapparat

selbst befinden, mal kann keinerlei Übergepäck transportiert werden. Das Armband von Dr. Karin Kiel

zog diesmal die gesamte Aufmerksamkeit des  Sicherheitsdienstes auf sich. So konnten diesmal alle Batterien und

Feuerzeuge den Schalter ohne große Probleme passieren. 

 

Mittwoch 29.08.2012

 

 

Im Landeanflug auf Leh

 

 

Um 5 Uhr startete dann der Flieger in Richtung Leh und ein faszinierender Sonnenaufgang  und eine

immer wieder spektakuläre Landung in der Hauptstadt sorgten für Entschädigung für die Aufregung beim Zoll. Erwartet

von den Fahrern der Agentur ging es dann sofort in das gebuchte Gästehaus, wo für die nächsten 2 Tage die zwingend

notwendige Eingewöhnungsphase auf die außergewöhnlichen Höhenbelastungen verbracht werden sollte.

Am Nachmittag dann ein erstes Treffen mit der Agentur und unserer Crew für den Hilfseinsatz. Details für die 12-tägige

Tour konnten so noch einmal vertieft werden. Außerdem konnte bei dieser Gelegenheit dann auch gleich das Depot vom

vergangenen Jahr, das bei einem örtlichen Händler in Form einer großen Blechkiste hinterlassen worden war, auf

Vollständigkeit überprüft werden. Und die Ausrüstung war nicht nur komplett vorhanden, sondern auch in

ausgezeichnetem Pflegezustand. Danke Tariq.

 

      

                                       (Alter und neuer Königspalast von Leh, Hauptstadt des Ladakh, Indien, Jammu und Kaschmirregion)

 

 

Donnerstag 30.08.2012

 

Die Nacht war kalt. Schon mal ein Vorgeschmack auf das Kommende in den Bergen des Ladakh, denn schließlich wollen

wir noch rund 1600 m höher hinaus.  Dann wird es auch kein windgeschütztes Gästehaus mehr sein, in dem

übernachtet wird, sondern ein kleines Bergzelt für jeden der Teilnehmer und ein Schlafsack auf einer Isomatte.

Der 2. Tag in Leh dient der weiteren Akklimatisierung in der Höhe und der Klärung weiterer organisatorischer Details

für die Tour. Da muss zum Beispiel zum ordentlichen Desinfizieren der Gerätschaften ein Schnellkochtopf beschafft

werden, denn normale Kochtöpfe lassen das Wasser in diesen Höhen bereits bei 86 Grad sieden. Nicht genug für

die Herstellung des ordnungsgemäßen sterilen Zustands. 

Es gibt ein erstes Treffen mit Amchi Norkit, einer Amchifrau. Neuland für alle. Schüchtern stellt sich die erfahrene

Kräuterfrau vor. Der englischen Sprache ist sie nur in den Grundlagen mächtig. Keine leichte Aufgabe, wie die Ärzte

aus vergangenen Einsätzen mit Amchis wissen. Doch die Amchi ist begeistert von ihrem Einsatz und der Möglichkeit

eine Grundausbildung in der eigenständigen Durchführung von Zahnextraktionen zu erhalten. 

 

     

                                 Im Herzen von Leh                                                                                              Die Moschee der Sikh

 

Um 16 Uhr steht ein Termin mit einem Journalisten des regionalen Fernsehsenders an, der die Tour entsprechend

in den Medien  ankündigen will. Somit soll auch in entfernten Bergregionen auf den Streckenverlauf der Tour

aufmerksam gemacht und die Zahl der potentiellen Patienten erhöht werden. Heute verfügt fast jedes Nomadencamp

über solarbetriebene und satellitengestützte Rundfunk- und Fernsehempfänger.

 

Am Abend dann ein erster Höhepunkt der Tour. Dr. Ishey und Dr. Assif, zwei ladakhinische Ärzte empfangen

uns in ihrer Praxis, um uns die bisherigen Zahnbehandlungsmöglichkeiten in Leh vorzustellen. Ein völlig veralteter

Behandlungsstuhl (vermutlich aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts) in einem 3x3 m großen Behandlungsraum,

der über keinerlei natürliches Licht verfügt.  Dr. Assif, ein junger Zahnarzt,  versorgt als Einziger Patienten in einem

Umkreis von ca. 100 Kilometern in den abgelegenen Tälern der Changtang-Region. Dr. Ishey, ehemaliger Offizier

der indischen Armee und Allgemeinmediziner und Apotheker, versorgt auch die Ärmsten mit heilender Medizin.

Oftmals unentgeltlich. Er ist auch der Initiator eines örtlichen Projektes in Leh, das es sich zur Aufgabe gemacht hat,

armen und mittellosen Patienten die Möglichkeit einer kostenlosen zahnärztlichen Behandlung zu gewähren. 

Bereits im vergangenen Jahr gab es einen Kontakt des Vereins "Dental-Ladakh e.V." zu Dr. Ishey. Durch Spenden

an den Verein konnte nun in diesem Jahr eine komplette, nagelneue Behandlungseinheit vor Ort in Indien angeschafft werden. 

Diese Einheit sollte nun in neuen Räumlichkeiten dem Hilfsprojekt übergeben werden und dort zum Einsatz kommen.

Doch noch stand die Einheit verpackt in großen Holzkisten auf der Straße vor dem zukünftigen Behandlungsraum.

 

im Stadtzentrum von Leh die neue Praxis von Dr. Namgyal Ishey, der alte Behandlungsstuhl bei Dr. Assif und der "Neue", gesponsert von Dental-Ladakh e.V. 

 

 Freitag 31.08.2012

 

Morgens früh um 8 Uhr warten die Jeeps der Agentur vor der Tür des Gästehauses. Pünktlichkeit wird in diesem

Teil Indiens ausgesprochen groß geschrieben. Innerhalb von Minuten werden nun die inzwischen rund 300 Kilogramm

Gepäck verladen, schließlich soll auch das Depot mit Verbandsmaterial und Instrumenten vom vergangenen Jahr

mitgeführt werden.

Es geht auf dem zunächst noch recht gut ausgebauten Highway, vergleichbar mit einer deutschen Landstraße 3. Ordnung,

in Richtung Changtang-Region zum Tso Moriri, einem der schönsten Bergseen der Welt und den ebenfalls weltberühmten

Wetlands.  Für die ca. 250 Kilometer bis dahin sind ca. 8 - 10 h eingeplant. 

 

 

Auf dem Weg nach Korzor am Tso Moriri          Der Zusammenfluss von Zanskar und Hindus          und Stopp nach einem Erdrutsch

 

Der Konvoi umfasst insgesamt 3 Fahrzeuge, 2 Jeeps und einen Pickup, der Lebensmittel, Zelte und den dringend

notwendigen Generator für die mobile Behandlungseinheit transportiert.

 

An den heißen Quellen des Hindus River stößt dann auch Amchi Namgyal zu uns. Er hat bereits im vergangenen Jahr

an dem Einsatz teilgenommen und ist diesmal in der Funktion des "advanced Amchis" mit dabei. Er soll  Hilfestellung

bei der Ausbildung der Amchifrau Norkit geben und sein eigenes Wissen vervollständigen.

 

           

     Abendstimmung am Tso Moriri                                                                     Morgenstimmung am gleichen See

 

Bei Sonnenuntergang erreichen wir die Ufer des faszinierenden Bergsees und beginnen unser Nachtlager

aufzuschlagen... in 4500m Höhe im kleinen Örtchen Kozor am Eingang zu den weltberühmten und geschützten

Wetlands.

Dieses einzigartige Feuchtwiesenhochplateau in rund 4800 m Höhe wurde von der UNESCO als Weltnaturerbe

eingestuft und ist als außergewöhnliches Biotop streng geschützt. Dennoch findet dort auch in diesem Jahr eine

dreitägige Puja (ein buddhistischer Gottesdienst, von unterschiedlicher Dauer, mal eine Stunde mal auch eine ganze Woche)

statt.

 

Samstag 01.09.2012

 

Früh morgens um 6:00  Uhr ist es mit der Nachtruhe vorbei. Eselgeschrei.  Man hat den Eindruck direkt neben dem

Kopfende des Schlafsacks. Hunde bellen, wohl unmittelbar vor dem Zelteingang, Kühe muhen in einer Lautstärke,

die man sonst wohl eher einem Elefanten zugeordnet hätte und die Pferde einer benachbarten Treckingtour bimmeln mit ihren großen Glocken um den Hals, als gelte es, das Glockengeläut einer bayrischen Dorfkirche zu imitieren.

Die müden kalten Glieder werden in der aufgehenden Sonne gereckt, in der Hoffnung die Sonnenstrahlen würden schnell durchwärmen. Das übernimmt dann doch eher der obligatorische Becher Tee, der jeden Morgen gereicht wird. Frühstück im 

Zelt auf wackligen Campinghockern. Omelette mit Fladen und leckerer Aprikosenmarmelade, das Standardprogramm

für die nächsten Wochen. Zur großen Freude von Dr. Dr. Thomas Reidick bisweilen um einen Gerstenschleimbrei erweitert,

den er und die Küchencrew liebevoll als Porridge bezeichnen. 

 

Dann geht es hinauf in die Wetlands. Der Tross folgt den eifrigen Pilgern auf dem rund 10 Kilometer langen steinigen und

sehr unebenen Weg zur Puja. Denn dort werden auch die Behandlungszelte für die nächsten 2 Tage zum Einsatz kommen.

Während die Crew die Zelte errichtet, verteilen die beiden Ärzte Sonnenbrillen und Zahnbürsten und füllen die Behandlungslisten

mit Patienten. Derer gibt es hier oben sehr viele, auch wenn sich längst noch nicht jeder traut. Wie immer machen die Frauen

den Anfang. Fast ausschließlich Extraktionen. Zu schlimm sind die Schäden in den Gebissen. Auch viele junge Menschen tragen

heute die deutlichen Spuren von Zuckermissbrauch und katastrophaler Zahnhygiene offen zur Schau. Meist sind es nur noch

schwarze Wurzelstümpfe, die dringend entfernt werden müssen. Die Schmerzen, die die Träger dieser Zahnrelikte erduldet

haben, müssen grauenhaft gewesen sein. Doch bis zum nächsten Militärhospital sind es mindestens 100 Kilometer und

mehrere Bergzüge mit Höhen von über 6000 m Höhe liegen dazwischen. Zivile Hilfe gibt es sogar erst wieder in Leh,

der Hauptstadt.   

 

Die Ärzte arbeiten im Akkord an 2 Stühlen. Zum Glück werden sie dabei sehr schnell von den beiden Amchis unterstützt,

deren Ausbildung trotz des Andrangs nicht vernachlässigt wird. Sie erfahren die Grundlagen der lokalen Betäubung und

bereits am Nachmittag legen sie selbst Hand mit an. Viele Nomadendörfer sind während der 7-monatigen Winterzeit

vollständig von der Außenwelt abgeschlossen. Deshalb besteht dringender Bedarf in den Bergdörfern für diese Weiterbildung

der Amchis.

 

   

Anmeldung zur Zahnbehandlung und  Dr. Dr. Thomas Reidick bei der Ausbildung von Amchi Norkit im Behandlungszelt

                                                              

Am Nachmittag wollen dann die Patienten nur noch Füllungen. Sie haben die mitgebrachte Dental Unit entdeckt und hoffen nun

auf Wunder durch die Ärzte. So reagieren sie manchmal auch durchaus ein wenig verärgert, wenn sich Dr. Karin Kiel strikt weigert,

einen völlig zerstörten Zahn mit einer Füllung zu behandeln. Die Crew, vom Kraftfahrer bis zur Küchenhilfe, wird inzwischen als Hilfsschwestern und Übersetzer genutzt. 

 

Die Amchis haben inzwischen unter der Anleitung von Dr. Dr. Thomas Reidick begonnen, selbst leichte Extraktionen durchzuführen. 

Dabei sind beide Amchis sehr aufgeschlossen und folgen auch den theoretischen Ausführungen zu Grundlagen des Zahn- und

Kieferaufbaus und der Zahnmedizin sehr interessiert. 

Am Abend werden auf dem Weg zum Camp die neu gelernten Fachbegriffe dann im Jeep gegenseitig abgefragt, was bei allen

Beteiligten für sehr viel Frohsinn und Spaß nach dem ersten erfolgreichen Arbeitstag in den Wedlands auf 4800m Höhe sorgt.

 

Besuch am Küchenhaus am Basiscamp überrascht die Küchenbesatzung 

 

Der Koch hat derweil gezaubert. Nachdem er einen ebenso erfolgreichen Kampf mit einer streunenden Kuh um das

Verpflegungslager geführt hat.

Gedünstete Bohnen, Kartoffeln mit Glasnudeln, rote Bohnen und Blumenkohl. Alles frisch und schön heiß, so wie auch

der Kamillentee, der heute neben heißer Milch oder einfach nur heißem Wasser aus drei verschiedenen Aluminiumkesseln

gereicht wird...

Die Außentemperatur vor der dünnen Zeltwand nähert sich schlagartig mit dem Sonnenuntergang der 5-Grad-Marke.    

19:58 Uhr Schlafenszeit und jeder krabbelt in seinen Schlafsack, in der Hoffnung, dass dieser schnell durch die

Körpertemperatur auf Schlafwohlgefühl gebracht wird.

 

 

Sonntag 02.09.2012

 

Die Kühe gewinnen diesmal das Morgenspektakel gegen die Esel, die sich augenscheinlich inzwischen auf ein anderes

Camp gestürzt haben.

Wir fahren nach dem Standardfrühstück, diesmal um süße Pfannkuchen erweitert, denn es ist schließlich Sonntag, wieder

hinauf in die Wetlands.  

Diesmal überwiegen die männlichen Patienten. Wahrscheinlich haben sie Mut gefasst. Die Qualität der Zähne steigert

dieser Patientenwechsel jedoch nicht zwangsläufig. Amchis und Ärzte fachsimpeln über die besonderen anatomischen

Auswirkungen der Höhe auf die Wurzelbildung der Backenzähne. Seltsamerweise verfügen viele der Nomaden über

jeweils eine, manchmal sogar 2 Wurzeln mehr, als beim gewöhnlichen Mitteleuropäer üblich.

 

Am Abend dann noch ein ausführlicher Spaziergang durch Korzor. Wir besuchen die "Praxis" von Amchi Namgyal,

der hier zu Hause ist. Das Dorf lebt nur von den 3-4 Monaten der Trekking- und somit Touristensaison und versinkt

für den Rest des Jahres in einen lähmenden Winterschlaf. So sieht auch die Praxis aus. Irgendwie trostlos.

Für den Rest des Jahres überwintern hier nur wenige Schafzüchterfamilien, die Dorfschule ist geschlossen

und im kleinen Kloster oberhalb des Dorfes halten nur wenige Mönche die Stellung. 

Dennoch wird in unmittelbarer Nachbarschaft zur alten Praxis des Amchis ein neues medizinisches Zentrum aufgebaut.

Für einen Allgemeinmediziner und Amchi Namgyal, den tibetschen Naturheiler der Nomaden. Der ist richtig stolz.

Eine zahnmedizinische Versorgung wird es aber auch in Zukunft im Umkreis von 100 Kilometern nicht geben.

Einzige Hoffnung bleibt für die Bewohner von Korzor und Umgebung  Amchi Namgyal.

 

Beim Abendessen dann noch eine besondere Überraschung. Besuch durch den Schulleiter der kleinen Dorf- und Klosterschule.

Wir reden mit Händen und Füßen, sind wir doch inzwischen schon "alte" Bekannte. Fotos vom vergangenen Jahr werden

herumgereicht und viel gelacht.

Keiner will hinaus in die kalte Nacht und ins eigene kalte Zelt. Die Schneefallgrenze in den umliegenden Bergen ist deutlich

gesunken. Bereits ab Mitte September zieht hier in der Changtang-Region nach einem sehr kurzen Sommer der Winter ein.

Temperaturen von – 30 bis – 40 Grad sind dann keine Seltenheit und das Leben am Tso Moriri kommt dann bis

zum Juni des nächsten Jahres fast vollständig zum Erliegen.

 

 

     

 

Montag 03.09.2012

 

Es hat fast die ganze Nacht geregnet. Die hohen Berge rundherum sehen aus wie eingezuckert. Die Temperatur + 2 Grad.

Gleich nach dem Frühstück brechen wir das Camp am Tso Moriri ab. Der See strahlt wie blank geputzt in sattem Blau.

Die Wolken spiegeln sich in der ruhigen Wasseroberfläche. Mehr als 20 Kilometer beträgt der Umfang dieses salzigen Sees,

der über keinerlei natürlichen Abfluss verfügt und der deshalb auf Grund der extremen Verdunstung an seinen Rändern eine

weiße salzige Kruste aufweist.

Im Sommer ist hier oben die Sonneneinstrahlung extrem und die Temperaturen steigen bis auf 30-35 Grad, um dann in der

Nacht doch wieder bis knapp über den Gefrierpunkt abzusinken. Dementsprechend sind auch überall die Spuren der Erosion durch

Wind, Wasser und Temperaturschwankung überdeutlich zu sehen.

Aber dafür gibt es auch Fotomotive der besonderen Art, wohin man schaut. 

 

 

Der Weg führte in Richtung Puga. Dort bestehen bereits seit 2010 Kontakte zu 2 Nomadenschulen. In Sumdo,

an der dortigen Montessori-Schule, hat Dr. Karin Kiel bereits bei der ersten Tour 30 tibetische Flüchtlings- und Nomadenkinder

behandelt und mit dem Schulleiter einen Deal verhandelt. Statt drei Mal täglich Süßigkeiten für die Kinder nur noch einmal

und dafür 2 neue Zahnbürsten pro Kind. Mit Erfolg, wie sich in diesem Jahr zeigte. Bei fast allen Kindern konnte die Karies

gestoppt werden. Dennoch gab es auch hier Behandlungsbedarf. Bei den Lehrern. Für Amchi Norkit und Amchi Namgyal

eine Herausforderung, die beide mit Bravour meisterten. 

 

     

  Dr. Karin Kiel bei der Kontrolle der Sumdo School                               Amchi Norkit und Amchi Namgyal bei einer Extraktion 

   

Nach einem erfolgreichen Vormittag an der Sumdo Montessori School erfolgte noch der Wechsel an die nur 7 Kilometer

entfernte NRS, die Nomadic Residental School, an der über 150 Kinder aus der gesamten Region leben und lernen.

Die Kinder zwischen 5 und 14 Jahren bekommen hier eine Ausbildung bis zur mittleren Reife. Die Schule wird sowohl

vom indischen Staat unterstützt, als auch durch zahlreiche Sponsoren aus aller Welt gefördert.

Dennoch verfügt die Schule auch heute noch über keinerlei Waschräume für die Kinder, so dass diese ihre Körperpflege

auch heute noch an einem Gebirgsbach durchführen.

 

Noch am Nachmittag beginnt die Behandlung der Kinder, die klassenweise vor dem Sanitätsraum warten. Auch hier ist

eine deutliche Verbesserung der Situation gegenüber 2011 festzustellen. Die verbesserte Zahnhygiene trotz erschwerter

Bedingungen trägt Früchte.

 

    

 

Kinder der NRS beim Zähneputzen und der Körperpflege, beim Frühstück und "im Kleiderschrank",

denn pro Kind steht eine Blechkiste zur Verfügung, in dem es all seine Habseligkeiten aufbewahrt.

 

 

Dienstag 04.09.2012

 

Frühstück im Speisesaal der NRS, der Nomadic Residental School, bei rund 70 Kindern mit Linsenbrei und Pitabrot. Es schmeckt und außer lautem Schmatzen sind kaum andere Geräusche trotz der großen Anzahl der Kinder zu hören. Und das, nachdem die Kleinen schon 30 Minuten Morgenandacht, also eine kleine Puja mitgestaltet haben.

Die Behandlung startet deshalb an diesem Tag auch erst um 10 Uhr, dafür aber fast wie am Fliessband.

Am frühen Nachmittag dann geschafft. 80 Kinder, alle anwesenden Lehrer und die Bauarbeiter des benachbarten Bauprojekts für ein

neues medizinisches Behandlungszentrum der Schule sind versorgt.  

Obwohl noch eine weitere Nacht in dieser Schule geplant war, brechen wir bereits nach dem Lunch die Zelte ab und reisen weiter.

Es geht über den 4950 m hohen Pola-Konga-Pass. Unspektakulär. Gleich hinter dem Pass soll ein größeres Nomadenlager sein,

in dem akuter Behandlungsbedarf bestehen sollte.

Wir finden das Lager und sofort stellen sich die ersten Patienten ein, kaum dass die Jeeps gestoppt haben.

Wieder Aufbau des Camps. Es wird sehr schnell kalt und wir rechnen erstmals mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt.

Zum Abendessen gibt es deshalb Knoblauchsuppe. Soll den Körper warm halten, in 4800 m Höhe.

 

 

ein einzelnes Wasserloch auf dem Hochplateau in 4800 m Höhe (lieferte, glaube ich, auch den Grundstock für unsere Knoblauchsuppe ...

Aber darüber wollen wir hier und heute gar nicht mehr nachdenken...)   Die Schneegrenze sinkt immer tiefer.

 

 

Mittwoch 05.09.2012

 

Die Knoblauchsuppe hat geholfen. Dennoch war es wirklich eine bitter kalte Nacht. Das Thermometer hat in Zeltnähe 2 Grad

erreicht.

Am Vormittag dann Behandlung, bei den Nomaden, die nicht mit den Ziegen in die Berge ziehen mussten. Zeit genug für eine

Hasenjagd. Tibethasenjagd, natürlich nur mit der Kamera. Aber das sollten nicht alle tierischen Begegnungen des Tages

werden.

Da gab es dann auch noch Wildeselherden und die seltenen schwarzen Kraniche, die an diesem Tag auch noch vor die Kamera

drängten...

 

Wildeselherde                                                  Zwischenstopp am Tso Ka (Salzsee)                               Die seltenen schwarzen Kraniche

 

Wir haben eine wirklich tolle Crew in diesem Jahr. Nicht nur, dass sie in Windeseile das Dental-Camp auf und wieder abbauen

und uns tagtäglich mit kulinarischen Besonderheiten unter extremen Bedingungen verwöhnen, sie machen die Tour auch noch

zu einer Wildtiersafari und einem wahrhaftigen Erlebnistrip durch Traumlandschaften.

An diesem Tag erreichen wir einen außergewöhnlichen Nomadenlagerplatz. 

Außer der Reihe sozusagen, dafür aber mit großem Behandlungsbedarf.

In Nyorchen, an der berühmten Manali Road in ca. 4600 m Höhe gelegen, treffen wir einen ganzen Clan, der unmittelbar vor

dem Umzug in das Herbstlager steht. Ein Ort ganz nach den Wünschen und Vorstellungen der Ärzte, die hier sofort

mit der Behandlung beginnen und bis zum Einbruch der Dunkelheit durcharbeiten.

Wir werden nebenbei Zeuge einer Ratsversammlung, die mit viel Lautstärke geführt wird und bei der es um die Vergabe der

neuen Weideplätze geht.

Es erweist sich als äußerst effektiv, dass beide Zahnärzte über sehr viel Erfahrung und auch eine gewisse Portion Gelassenheit

bei der Zahnextraktion verfügen, denn die Arbeitsbedingungen hier sind alles andere als optimal und die Indikationen

alles andere als leicht.

Auch das Legen von Füllungen unter den hier herrschenden Bedingungen mit Campingstühlen für die Patienten,

ständig gebeugter Haltung der Ärzte und Amchis, Stirnlampen als einziges Leuchtmittel und Dutzenden von dicht um

den zu Behandelnden gedrängten Zuschauern, ist alles andere als leicht.  

 

          

                                           Die Amchis Norkit und Namgyal machen riesige Fortschritte. Das spornt zusätzlich an.

 

 

Donnerstag 06.09.2012

 

An diesem Morgen stellen wir erstaunt fest, dass innerhalb weniger Minuten, so scheint es jedenfalls, ein ganzes

Nomadendorf verschwinden kann. Nur noch 2 Patienten "verirren" sich zu uns und so entschließen auch wir uns,

die Zelte abzubrechen und über den zweithöchsten befahrbaren Pass der Welt, den Tanglang-Pass (5328m) zurück

nach Leh zu fahren.

Natur pur und der erste richtige Schnee in den Schattenlagen. Auf dem Pass herrscht ungemütliches Wetter.

Die Talfahrt wird zum Abenteuer, denn die Fahrer entschließen sich spontan, statt dem ausgebauten, aber sehr

ermüdenden und magenunfreundlichen  Serpentinenhighway lieber einem direkten Shortcut

(wohl eher einem altherkömmlichen Wildpfad) zu folgen.

Und so werden dann manchmal die Augen doch recht groß beim Blick aus dem Autofenster.

Doch die Fahrer wissen, was sie tun und das Ganze wird als erfolgreich überstandenes Abenteuer mit viel Gelächter

(danach) quittiert.

 

            

Auf dem Weg nach zurück Leh,              In der Innenstadt von Leh                                             Weltkulturerbe Tiksey Monastri

 

 

An diesem Abend übernachten wir in Leh, im Yartsa Guesthouse, mit heißer Dusche, einer richtigen Toilette und vor allem mit  

richtigen Betten.  

 

 

Freitag 07.09.2012

 

Dr. Dr. Thomas Reidick fährt mit einem geliehenen Mountainbike zum Tiksey Kloster (ca 20km pro Strecke) und ist

fasziniert von der Klosteranlage und erschrocken über die Fahrweise der ladakhinischen Überlandtrucks, die nicht nur

die Luft verpesten, sondern auch ohne Rücksicht auf Verluste durch die Städte und Dörfer rasen.

Am Vormittag müssen dann unsere Behandlungssets überprüft und Material aufgefüllt werden, denn bereits am Samstag

soll es auf die nächste Runde, diesmal in das Nubra Valley gehen.

 

Manisteine am berühmten Thikseykloster

 

  

Danach treffen wir uns dann Dr. Ishey in seinem Office. Die vom Verein Dental-Ladkah e.V. gespendete Zahnarzteinheit

ist bereits aufgebaut. Wir nehmen sie in Augenschein und besprechen die Möglichkeiten der weiteren Unterstützung

dieses Projektes durch den Verein. Dr. Ishey möchte gern auch Augenbehandlungen anbieten. Doch dazu fehlen noch

einige Geräte. Wir versprechen, daß wir dieses Problem in Deutschland öffentlich machen werden und versuchen werden,

dem Projekt auch in der Zukunft durch Spenden weiter zu helfen. Schließlich bekommen hier junge Ärzte die Chance

zur Fortbildung und mittellose Ladakhis kostenlos medizinische Hilfe 

 

Am Nachmittag machen Dr. Dr. Tomas Reidick und Carsten Gohlke dann einen Wander- und Fotoausflug zum neuen

Königspalast von Leh, der zur Zeit seiner Errichtung (18. Jahrhundert) als das höchste Bauwerk der Welt galt.

(Kein Wunder, wenn das Fundament schon in 3600m Höhe liegt...) 

 

    

Der neue Königspalast von Leh            Blick vom Palastbalkon                                                              und noch ein Blick ... nach oben ... "Alter Palast" 

 

 

Samstag 08.09.2012

 

Gut erholt, frisch geduscht und ausgeschlafen brechen wir zur 2. Runde bereits frühmorgens um 8:00 Uhr auf.

Wir verlassen Leh in Richtung des höchsten befahrbahren Passes der Welt, den Khardong Pass.

Hier ist es richtig kalt und die Luft ist nun wirklich richtig dünn. Doch das hält Dr. Dr. Tomas Reidick und

Carsten Gohlke nicht davon ab, noch mal "schnell" einen Ausflug auf den Gletscher zu machen.

2 x 150m in knapp 2 Stunden. Die Crew macht sich Sorgen. Die "großen" Jungs haben nun doch ein

schlechtes Gewissen. Mit Recht. Denn sie haben sich nicht abgemeldet und einfach die Gefahren in dieser

Höhe unterschätzt.

Zum Glück ist nichts passiert. (Bilder dazu im Film "die gelebte Puja")   Es schneit. Der Atem gefriert.

 

   

                                                                   Im Nubra Valley

 

Auf der anderen Seite des Passes erwartet uns das berühmte Nubra-Tal. Im Ort Khardong bauen wir unser Camp wieder auf.

Es ist erstaunlich, wie schnell sich hier unsere Anwesenheit hier, wie auch in den anderen bereits besuchten Orten, Im Nu sind wir umringt von Patienten und die Ärzte behandeln ohne Pause bis zum Sonnenuntergang.

 

 

Filmvorführungen

 

 

Die nächste Vorstellungen   des Filmes

 

"die gelebte Puja"

 

finden am 16.01.2013

 

in Kassel

 

und am 02.02.2013

 

im DGH in Hausen (He-Li) 

 

jeweils um 19 Uhr statt

 

statt

 

 

bei Bedarf stellt das Team von Karin Kiel und Carsten Gohlke den aktuellen Film

 

"die gelebte Puja"

 

sowie den Vorjahresfilm

 

"Karies, Yaks und Buttertee"

 

gern der Öffentlichkeit vor.

 

Bisher:

 

- DGH Hessisch Lichtenau

- BH Hausen

- Kassel

 

 

 

 

Informationen dazu und zum Procedere der Altgoldsammlung gibt es in der Zahnarztpraxis Dr. Karin Kiel   

                                         unter Tel: 05602-919886

                     Kalenderbestellungen auch für Firmen ab sofort

                                  möglich ...

0171-3173088 ...

 

oder über die hier angegebenen email-Adresse

dental-ladakh@t-online.de   

 

Kinder des Ladakh

sagen "Danke"

auch als Poster erhältlich

 

Titelblatt des Kalenders 2013